Vergänglich...
Aus Psalm 90, ein Gebet des Mose
„Herr, Du bist unsre Zuflucht für und für.
Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden,
bist Du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit."
Vergänglich ist die schönste Geste, das teuerste Geschenk, die treueste Freundschaft, der intimste Gedanke, das längste Leben.
Die Vergänglichkeit mancher schöner Dinge in meinem Leben sitzt, wie ein Hauch Ironie, mitten in meinem Dasein, sagt mir immer wieder, Hey, Mensch, du kannst nichts festhalten. Irgendwann nehme ich es dir weg.
Und ich will nicht daran denken, will meine Lieben festhalten, besondere Momente beschützen. Ich mache Fotos, pflege Alben, schreibe Tagebücher. Und ich stelle mir vor, wie ich eines Tages, wenn ich alt bin, der Vergänglichkeit ein Schnippchen schlage, indem ich meine Erinnerungen aus der Kiste hole und alle schönen Momente wieder erlebe, so, als wären sie noch da.
Aber was ist, wenn es gar nicht dazu kommt? Was ist, wenn ich dann selbst schon vergangen bin? Was ist, wenn ich nicht mehr diejenige bin, die ich einmal war? Ich habe Angst. Angst vor der Zeit, die als effizientes Werkzeug der Vergäng-lichkeit alles mitnimmt, das Schöne, das Wertvolle und das Kostbare, auch mich.
Und doch, meine Seele weiß, dass es Hoffnung gibt. In meiner Angst, in meiner menschlichen Verzweiflung, vergesse ich nur allzu oft, dass es jemanden gibt, der mich geschaffen hat, der mein Leben liebevoll steuert, der für mich sogar Sein Leben hingab, der da ist und mich niemals allein lassen wird...
Wenn mein Leben Ihm gehört, wenn es in Seinen Händen ist, sollte ich dann nicht vertrauen? Vertrauen, dass meine Lieben gut aufgehoben sind? Dass ich gut aufgehoben bin? Dass meine Fotos, Alben, Tagebücher nicht von Bedeutung sind? Gehören sie nicht dieser Welt und werden vergehen? ...
Ja, da ist sie wieder. Die Gewissheit geliebt und gehalten zu werden, die mir Kraft zum Leben gibt, und die der Vergänglichkeit ihr hässliches Gesicht nimmt, ja, sie sogar zu einem Geschenk macht. Ich werde nicht vergehen. ER hat es versprochen!
Wie sagte Paulus noch im Philipperbrief?
"Jesus Christus ist mein Leben und sterben mein Gewinn."
Vielleicht kann ich sogar später, wenn mein vergänglicher Leib vergangen ist, der Vergänglichkeit von zu hause aus doch noch das ersehnte Schnippchen schlagen.
Hey, Vergänglichkeit, ich konnte nichts festhalten. Aber du konntest mir auch nichts wegnehmen, weil dir mein Leben nie gehört hat!
JJ
©Jutta Janeschitz